Mein Traumberuf

Dass ich den Dolmetscher- und Übersetzerberuf wählte, war für viele und für mich selbst überraschend, wollte ich doch von der 5. Klasse an Arzt werden. Als ich mich aber während meiner Armeedienstzeit anders entschied, ahnte ich wohl von innen her, dass meine wahren Talente eher auf der sprachlichen Ebene liegen. Zum Studium bewarb ich mich ohne die Angabe einer Wunsch-Sprachrichtung. Dies erwies sich als richtig, denn mit Englisch, das mir damals mehr lag, hätte ich aufgrund meiner "Westverwandtschaft" in der DDR nie dolmetschen können und wäre zur reinen Schreibtischarbeit verdammt gewesen.

Ich hatte das große Glück, dass ich in meiner Arbeit zumeist eine recht gute Mischung von schriftlicher und mündlicher Arbeit vorfand, dass ich stets gut zu tun hatte und dass ich in der Ukraine eine berufliche Schule durchlaufen durfte, wie sie wohl optimaler nicht hätte sein können. Die vielen Treffen mit Menschen, die ich in all den Jahren in den verschiedensten Situationen haben durfte, boten mir genügend Möglichkeiten, mich mit eigenen einengenden Anschauungen auseinander zu setzen, sozusagen über den "Tellerrand" zu schauen und die Eigenheiten und Vorzüge anderer vorurteils- und wertungsfrei frei zu sehen. Ich erkannte, dass ein materiell "armes" Leben durchaus dem Zugang zu den wirklichen, inneren Reichtümern förderlich sein kann, dass aber andererseits die Einengung der Meinungsfreiheit und der persönlichen Entscheidungsfreiheit zu einer Sinnentleerung des Lebens führen kann. Nachdem ich auf diese Art schon früher mein "Deutschsein" aus mehreren Blickwinkeln betrachten konnte, ermöglichten mir die Wiedervereinigung Deutschlands und meine Reisen in die Schweiz und nach Österreich weitere Einsichten, die ich ebenfalls beruflich einordnen bzw. umsetzen kann. So erlangte ich eine länder- und nationenübergreifende Sicht auf das Leben, die es mir erleichtert, die zukünftigen persönlichen Herausforderungen und gesellschaftlichen Veränderungen gelassen anzugehen.

Insgesamt kann ich sagen, dass ich nicht nur meinen Wunsch-, sondern auch meinen Traumberuf gefunden habe, in dem ich mich selbst verwirklichen kann, der mir Befriedigung gibt und den ich trotz aller Höhen und Tiefen immer noch sehr gern ausübe.

Berufliche Stationen

1975-1979 Studium an der Humboldt-Universität zu Berlin in der Fachrichtung "Russisch und Serbokroatisch" und Abschluss mit einem Diplom, welches dem hiesigen Diplom als Dolmetscher und Übersetzer entspricht.

Das dritte Studienjahr verbrachte ich in Moskau. Mit Serbokroatisch habe ich nie gearbeitet und ich denke auch, dass sich mehrere slawische Sprachen als Fremdsprache aufgrund der bestehenden Ähnlichkeiten untereinander nur "stören" würden.

1979-1980 Dolmetscher und Übersetzer für Russisch in Berlin in einem Unternehmen für Softwareentwicklung.

1981-1982 und 1984-1989 Dolmetscher und Übersetzer für Russisch im Braunkohlenkombinat Bitterfeld (einem der beiden Braunkohleförderkonzerne der DDR mit Tagebauen, Kohleveredlungsbetrieben, Kraftwerken usw.) im Territorialbereich Halle/Saale.

Hier war ich größtenteils der einzige Dolmetscher und Übersetzer für Russisch und habe die Unterlagen für die Projektierung, Forschung, Entwicklung und die internationale bi- und multilaterale Zusammenarbeit übersetzt und auf Treffen von Fachleuten im In- und Ausland zu vielfältigen Themen gedolmetscht. Darüber hinaus habe ich nebenberuflich Übersetzungen in verschiedenen Fachbereichen angefertigt.

1982-1984 Dolmetscher und Übersetzer für Russisch auf verschiedenen Baustellen in der Westukraine beim Bau der Erdgasleitung Urengoi-Ushgorod.

Dies war eine der intensivsten und schönsten Zeiten meines beruflichen Lebens: die 60 Stunden Wochenarbeitszeit sowie durchschnittlich 100 Überstunden im Monat verbrachte ich zum größten Teil als Dolmetscher. Hier gewöhnte ich mir sehr schnell das Simultandolmetschen an und arbeitete mich in verschiedene Fachgebiete (Pumpen- und Verdichtertechnik, Schweißtechnik, Fahrzeugtechnik, Rohrleitungsbau, Elektrotechnik, Wohnungsbau usw.) ein, dazu kamen vielfältige Treffen mit den Vertretern der örtlichen Behörden, Einsätze bei der Polizei, im Krankenhaus, in Schulen und auch auf Großveranstaltungen(!). Es blieb mir einfach nichts erspart und darüber bin ich zutiefst dankbar, denn ich erlangte dadurch eine enorme Sicherheit im Umgang mit der Sprache.

1989-1990 Dolmetscher und Übersetzer für Russisch in einem Elektronikunternehmen in Berlin.

Ab 1990 Freiberufliche Tätigkeit als Dolmetscher und Übersetzer zuerst in Moers, dann in Mülheim an der Ruhr.

Ab 1993 Freiberufliche Tätigkeit als Dolmetscher und Übersetzer in Duisburg.

Über mich